
Ein Website-Relaunch ist selten ein rein technisches Projekt. Die eigentliche Arbeit ist der Content: hunderte Seiten neu texten, alte Inhalte überarbeiten, neue Templates befüllen — alles nach einheitlichen Standards, mit verteilten Teams, unter Zeitdruck.
Genau hier liegt eine Chance, die die meisten Organisationen verpassen: KI nicht als Add-on einzubauen, sondern als Teil des Content-Prozesses vom ersten Tag an.
Das eigentliche Problem beim Relaunch: nicht Design, sondern Konsistenz
Wer einen Relaunch erlebt hat, kennt das Muster. Das neue Design steht. Die Templates sind definiert. Die Content-Guidelines sind geschrieben. Und dann beginnt die eigentliche Arbeit: hunderte Redaktorinnen und Redaktoren müssen nach eben diesen Guidelines texten — konsistent, zeichengenau, im richtigen Ton, für jedes Modul anders.
Das gelingt selten vollständig. Nicht weil die Guidelines schlecht sind, sondern weil Menschen — unter Druck, in verteilten Teams — unterschiedlich interpretieren, abweichen, vergessen. Das Ergebnis: eine neue Website, die technisch sauber ist, aber inhaltlich uneinheitlich wirkt.
KI kann dieses Problem lösen — wenn sie die richtigen Informationen hat.
Was «KI kennt eure Guidelines» konkret bedeutet
Ein generisches KI-Tool wie ChatGPT schreibt gute Texte. Aber es weiss nicht, was eine «Themen-Hub-Seite Level 2» bei euch ist. Es kennt nicht eure Zeichenvorgaben pro Modul. Es weiss nicht, welche Formulierungen euer Styleguide ausschliesst.
Genau das ist der Unterschied eines RAG-basierten Content-Assistenten: Er greift auf eure interne Wissensbasis zu — Schreibweisungen, Templates, Stilrichtlinien, bestehende Referenztexte — und wendet sie bei jedem Textvorschlag an. Automatisch, konsistent, ohne nachschlagen zu müssen.
Das ist kein Luxus. Bei einem Relaunch mit 50 Mitarbeitenden, die über Monate hinweg Texte erstellen, ist es der Unterschied zwischen «einheitlich» und «irgendwie ähnlich».
Wie das Bundesamt für Statistik diesen Ansatz umsetzt
Das Bundesamt für Statistik (BFS) betreibt eine der umfangreichsten Statistikplattformen der Schweiz. Im Rahmen des Website-Relaunchs hat Maxomedia einen internen KI-Content-Assistenten entwickelt — den BFS Content Bot — der auf KIVY basiert und direkt in den Redaktionsprozess integriert ist.
Die Wissensbasis des Tools umfasst die aktuellen Content- und UX-Guidelines, alle Templates mit ihren Modulspezifikationen sowie Referenztexte der bestehenden Website. Das Redaktionsteam wählt im Interface, für welchen Bereich und welches Modul es einen Text braucht — und arbeitet dann in einem von zwei Modi.
Generate erstellt einen neuen Text auf Basis der Vorgaben. Das Team gibt eine kurze inhaltliche Anweisung, der Assistent liefert einen guidelinekonformen Textvorschlag — inklusive korrekter Zeichenzahl, Struktur und Tonalität.
Refine überarbeitet bestehende Texte. Der Assistent analysiert, was nicht den Guidelines entspricht, verbessert den Text und erklärt, was er verändert hat und warum. Das macht das Tool nicht nur schneller — es macht das Team besser, weil die Begründungen helfen, Guidelines wirklich zu verinnerlichen.
Was die Nutzungsdaten zeigen
Seit dem Start im März 2026 zeigt die Nutzung ein klares Bild: Das Tool ist kein Experiment, das ausprobiert und vergessen wird. Es ist im täglichen Workflow verankert.
In den ersten zwei Monaten hat das BFS-Redaktionsteam 4’678 KI-gestützte Textoperationen durchgeführt — rund 2’200 im Generate-Modus, rund 2’500 im Refine-Modus. Von März auf April stieg die Nutzung im Generate-Modus um 58 Prozent. An Spitzentagen werden über 160 Anfragen an einem einzigen Tag verarbeitet.
Was die Zahlen auch zeigen: Refine ist gefragter als Generate. Mehr als die Hälfte aller Anfragen entfallen auf die Überarbeitung bestehender Texte. Der grösste Engpass beim Relaunch ist also nicht das Erstellen neuer Inhalte — sondern das konsistente Anpassen und Qualitätssichern vorhandener.
Für welche Organisationen das relevant ist
Dieses Modell funktioniert überall dort, wo Content nach definierten Regeln erstellt wird:
Bundesbehörden und Kantone mit strukturierten Websiteplattformen und verbindlichen Schreibweisungen. Hochschulen und Bildungsinstitutionen, die regelmässig Seiteninhalte nach redaktionellen Standards aktualisieren. Grosse Verbände und Non-Profits mit dezentralen Redaktionsteams. Unternehmen, die einen Relaunch nutzen, um Content-Standards endlich konsequent umzusetzen.
Der entscheidende Faktor ist nicht die Grösse der Organisation, sondern die Komplexität der Standards. Je präziser die Guidelines, desto mehr Wert entfaltet ein Assistent, der sie kennt und anwendet.
Was es braucht, damit es funktioniert
Drei Dinge sind entscheidend.
Eine dokumentierte Wissensbasis. Der Content-Assistent ist nur so gut wie die Guidelines, die er kennt. Wer noch keine strukturierten Schreibweisungen hat, muss diese zuerst erarbeiten — was im Rahmen eines Relaunches ohnehin sinnvoll ist.
Ein strukturiertes Interface. Freitext-Chat funktioniert für kreative Aufgaben, nicht für standardisiertes Content-Editing. Ein gutes Interface führt das Team durch den Prozess: Bereich wählen, Modul wählen, Modus wählen — und dann fokussiert arbeiten.
Zeit für Adoption. Die Nutzungskurve des BFS zeigt es: Im März war das Tool neu, im April lief es auf vollen Touren. Zwei bis vier Wochen braucht ein Team, bis der Assistent selbstverständlicher Teil des Workflows ist.
Nach dem Go-Live: Der Assistent bleibt
Ein häufiges Missverständnis: Der Content-Assistent ist kein Relaunch-Tool, das nach dem Go-Live in der Schublade verschwindet. Er wird danach erst richtig wertvoll.
Denn eine Website hört nach dem Launch nicht auf, Content zu brauchen. Neue Themen kommen dazu. Bestehende Seiten müssen aktualisiert werden. Neue Mitarbeitende stossen zum Redaktionsteam und kennen die Guidelines noch nicht. Und die Guidelines selbst entwickeln sich weiter — was der Assistent automatisch übernimmt, sobald die Wissensbasis aktualisiert wird.
Der BFS Content Bot ist nicht auf den Relaunch befristet. Er ist ein dauerhaftes Arbeitswerkzeug — ein interner Standard, der sicherstellt, dass Texte auch in zwei Jahren noch nach denselben Regeln entstehen wie am ersten Tag nach Go-Live.
Das ändert auch die Kostenrechnung: kein Einmalprojekt, sondern eine Investition in dauerhaft konsistentere und effizientere Content-Produktion.
Fazit
Ein Website-Relaunch ist der beste Zeitpunkt, um KI in den Content-Prozess zu integrieren. Die Guidelines werden ohnehin neu definiert. Die Teams werden ohnehin geschult. Wer dabei einen KI-Assistenten einführt, der genau diese Guidelines kennt, bekommt nicht nur schnelleren Content — sondern konsistenteren.
Das ist kein Versprechen. Das sind Zahlen aus der Praxis.
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